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Yvonne Schönemann
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Kohlenwasserstoffe sind und bleiben für die Energieversorgung, viele Bereiche der Mobilität, aber auch als Grundstoffe der Petrochemie unverzichtbar. Die Energiewende kann daher nur gelingen, wenn gleichberechtigt zur Stromwende eine Molekülwende erfolgt. Voraussetzung hierfür sind nachhaltige Kohlenstoffquellen als Alternative zum fossilen Kohlenstoff aus Mineralöl, die perspektivisch in Raffinerien eingesetzt werden können. Aber auch bei Einsatz solcher nachhaltigen Rohstoffe wird es in Zukunft einen Teil der Prozessemissionen geben, der nicht durch eine Umstellung auf Wasserstoff oder Strom vermieden werden kann. Für eine klimaneutrale Produktion müssen diese Mengen CO2 abgeschieden und gespeichert werden. Somit ist der Einsatz von CCU/S-Technologien ebenfalls essentiell für eine erfolgreiche Energiewende.
Am 22. Oktober war unser Geschäftsführer Andreas Krobjilowski eingeladen, beim Ressourceneffizienz- und Kreislaufwirtschaftskongress BW 2025 in der Stuttgarter Liederhalle die MiRO-Strategien zum Thema Carbon Management im Plenum mit Umweltministerin Thekla Walker vorzustellen:
Trotz fortschreitender Elektrifizierung bleiben auch langfristig mindestens 40-60% der heute verwendeten Kohlenwasserstoffe unverzichtbar und alternativlos für die Energieversorgung bzw. als Grundstoffe für verschiedene Grundstoffindustrien, allen voran die chemische Industrie. Raffinerien bleiben daher auch in Zukunft unersetzbare Energie- und Rohstofflieferanten.
Beim Betrieb einer modernen Raffinerie und auch bei zunehmendem Einsatz nachhaltiger Rohstoffe entstehen unvermeidbare Prozessemissionen, die nicht durch eine Umstellung auf Wasserstoff oder Strom vermieden werden können. Für eine perspektivisch klimaneutrale Produktion müssen diese Mengen an Treibhausgasen abgeschieden und gespeichert bzw. weiterverwendet werden.
Das Abscheiden von Treibhausgasen aus industriellen Punktquellen und das Verpressen in geologischen Erdschichten, das sog. Carbon Capture and Storage (CCS), ist bereits heute technisch möglich und ist im europäischen Ausland Realität. Es stellt die derzeit bei Weitem kostengünstigste und energieeffizienteste Methode dar, industrielle CO2-Emissionen zu vermeiden. Alternativen wie der Direkteinsatz von grünem Wasserstoff, Carbon Capture and Utilisation (CCU) oder Direct Air Capture (DAC) sind aus heutiger Sicht entweder deutlich kostenintensiver oder technisch noch nicht im Großmaßstab verfügbar.
CCS und später CCU sind daher für den Industriestandort Deutschland unerlässlich zum Erreichen der Klimaziele bei gleichzeitigem Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie. Die dabei entstehenden Mehrkosten dürfen nicht zu weiteren Wettbewerbsnachteilen deutscher und europäischer Standorte im internationalen Vergleich führen, sondern müssen durch eine praxisgerechte Anpassung des geplanten Grenzausgleichsmechanismus CBAM ausgeglichen werden. Zur Vermeidung weiterer Wettbewerbsnachteile bedarf es darüber hinaus einer praxisgerechten Regulatorik - auch im Hinblick auf eine Überprüfung der Reduktionspfade des ETS1 - sowie eines zügigen Ausbaus einer nationalen CO2-Transport- und Speicherinfrastruktur. Die dringend erforderlichen Weichenstellungen zur Schaffung eines ‚Level-Playing Field‘ für deutsche Raffineriestandorte gegenüber den europäischen und internationalen Wettbewerbern müssen jetzt eingeleitet werden.
„Transformation kann nur gelingen, wenn sie Wettbewerbsvorteile schafft und den Industriestandort Deutschland langfristig sichert.“ (Dr. Andreas Krobjilowski, Sprecher der MiRO-Geschäftsführung)
Bildnachweis: Jan Potente / Umwelttechnik BW